Wenn das Sächsische Sinfonieorchester Chemnitz (SSO) im Juni 2001 sein 40-jähriges Bestehen feiert, soll dieses Ereignis Anlass sein, Rückschau auf die wechselvolle Geschichte dieses Liebhaberorchesters zu halten und die bisher nicht bekannten Ereignisse, die in die Zeit der Gründung des Orchesters fallen, zu streifen.
Dank umfangreicher Recherchen des langjährigen Orchestermitgliedes Bernd Matthes lassen sich mittlerweile die Spuren der Musiker, die bei der Gründung des Orchester dabei waren, bis in das Jahr 1939 zurückverfolgen. Damals bestanden in vielen größeren Unternehmen Musikvereinigungen verschiedener Art, so auch in den Chemnitzer NILES-Werken, dem späteren Großdrehmaschinenbau 8.Mai und heute Niles-Simmons Industrieanlagen GmbH. Nach den Wirren des 2. Weltkrieges gründeten diese Musikfreunde im Jahre 1947 das Niles-Werkorchester. Dieses Orchester existierte bis 1965.
Nach 18 Jahren gemeinsamen Musizierens erfolgte vier Jahre nach der Gründung des Arbeitersinfonieorchesters auf Initiative des damaligen Kulturhausleiters Paul Kampe die Einbindung des NILES-Werkorchesters in das Arbeitersinfonieorchester. Der gesamte Fundus des Niles-Werkorchesters ging in den des Arbeitersinfonieorchesters über. Dieser bisher nicht fixirtie Teil der früheren Geschichte des Orchesters wurde nunmehr in mühevoller Kleinarbeit recherchiert, mit Dokumenten und Aussagen von Zeitzeugen belegt und in einem Anhang zur bisherigen Orchesterchronik niedergeschrieben.
Zur ersten Probe des Arbeitersinfonieorchesters Karl-Marx-Stadt, die am 10. März 1961 stattfand, erschienen bereits 20 Musiker zum gemeinsamen Spiel. Zu ihnen zählten solche verdienstvolle Mitglieder wie Waltraud Gottschalk, Bernd Matthes und Michael Fischer, die aus dem Niles-Werkorchester ins ASO kamen und noch heute aktiv im Sächsische Sinfonieorchester Chemnitz (SSO) musizieren. Zunächst nur als Streichorchester besetzt, machte es unter der Leitung von Helmut Daniel und Helmut Kammel seine ersten Schritte. Im Mai 1962 übernahm Rudolf Nestler, Violinlehrer an der Städtischen Musikschule, die Leitung des Orchesters.
Die sehr furchtbaren Beziehungen zu dieser Institution halfen dem Orchester sehr bei der Profilierung und bein Aufbau in den ersten Jahren und darüber hinaus. Stellvertretend sollen hier Koppe-Döhnert und Rehnitz genannt werden, die über viele Jahre im Orchester wirkten und gleichzeitig als Musikerzieher tätig waren. Mit Hermann Steglich, der leider 1984 viel zu früh verstarb, hatte das Orchester einen hervorragenden Solisten (Flöte, Pauke) sowie Komponisten und Organisator in seinen Reihen.
Sein erstes eigenes Konzert gab das Orchester am 2. Februar 1963. Nachdem Ende 1964 der endgültige Aufbau zum Sinfonieorchester unter der Leitung von Rudolf Nestler vollzogen war, fing man nun an, das Niveau des Orchester ständig weiterzuentwickeln und die Musizierfreude der Orchestermitglieder in den Vordergrund allen Wirkens zu stellen. Unbesteitbar ist dabei die Tatsache, dass das Orchester Dank großzügiger finanzieller Unterstützung viele Möglichkeiten der musikalischen Qualifizierung nutzen konnte und sich so zu einem der führenden Laienorchester der DDR entwickelte.
Bei der künstlerischen Profilierung legte Günter Muck nicht nur Wert auf die "Große Besetzung", gleichrangige Bedeutung hatten unter seiner Leitung auch das Kammerorchester, die Blechbläsergruppe, das Steichquartett, das Bläserquintett und das Hornquartett, wie dies in ungezählten Auftritten zu hören war. Sehr hilfreich für das Orchester war die Unterstützung durch Generalmusikdirektor Prof. Kurt Masur.
In zahlreichen Proben vermittelte er dem Orchester seine reichen Erfahrungen. Er sagte dazu 1970 in der Berliner Illustrierten: ""... Ich kann die Begegnungen mit diesem Orchester zu den Stunden in meinen Leben zählen, bei denen ich nicht nur Geber, sonder genauso Beschenkter bin. Es ist schon ein tiefer gehendes Erlebnis, wenn es Menschen gibt, die neben ihrer harten Arbeit alle Energie aufbieten, um immer mehr in dier Geheimnisse und Schönheit eines Musikwerkes einzudringen versuchen. Und wieviel Liebe gehört dazu, nicht nur Musik zu 'machen', sondern hart an der technischen Vervollkommnung einer Darbietung zu arbeiten...". Von 1973 bis 1990 gab es eine sehr fruchtbringende Zusammenarbeit mit der Staatskappelle Dresden, die während dieser Zeit auch den Konzertmeister des Orchesters stellte. Unter der Leitung von Günter Muck hatte das große Glück, sein Können in mannigfaltigen Konzerten im In- und Ausland unter Beweis zu stellen.
Gastspielreisen führten das Orchester nach Ungarn, Polen, die heutige Tschechische Republik und die damalige Sowjetunion. Bleibende Erlebnisse für das Orchester sind dabei die vielen Konzerte mit berühmten Künstlern als Solisten, wie Annerose Schmidt, Amadeus Webersinke, Herbert Collum, Jörnjakob Timm, Jutta Zoff, und Ludwig Güttler, die hier stellvertretend genannt werden sollen. Bezeichnend für die Vielseitigkeit und den Mut dieses Laienorchesters war und ist der Drang, immer Neues auszuprobieren und gleichzeitig Gelungenes weiterzupflegen. Dazu zählen die Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten, die gemeinsamen Konzerte mit anderen Laienorchestern oder aber auch die vielen volkstümlichen Konzerte. Diese erfreuten sich nach und nach immer wachsender Beliebtheit beim Publikum. Neben einer Vielzahl eigener Konzerte, die das Orchester bestritt, wirkte das Orchester auch bei Festveranstaltungen und bei der Umrahmung ungezählter Veranstaltungen jeglicher Art mit. Seit den siebziger Jahren spielte es auch Anrechtskonzerte für die Jugend im Opernhaus.
Interessant und lehrreich für das Orchester war auch die Teilnahme an vielen nationalen Ausscheiden, wie den Arbeiterfestspielen. Bei Dirigentenseminaren hatter es Gelegenheit, mit einer Vielzahl verschiedener Orchesterleiter zu arbeiten. In die Zeit der gesellschaftlichen Wandlungen in der ehemaligen DDR fallen zwei große Höhepunkte in die Arbeit des Orchesters. Dies ist das Konzert im Leipziger Gewandhaus im Februar 1989 und das Festkonzert zum 30-jährigen Orchesterjubiläum im April 1991.
Bereits bei den Vorbereitungen für das Jubiläumskonzert waren die Probleme vor allem finanzieller Art, die auf das Orchester zukamen und sich dann in den kommenden Wochen und Monaten immer deutlicher bemerkbar machten, zu spüren. Mit dem Wegfall eines Großteils der finanziellen Mittel, stand das Orchester in dieser Zeit praktisch vor dem "Aus". Innerhalb weniger Wochen mussten sich die Orchestermitglieder entscheiden, ob und wie ein Weiterbestehen des Orchesters aussehen könnte. Gerade in dieser Zeit zeigte sich, dass nicht nur über viele Jahre miteinander gut musiziert wurde, sondern sich auch ein sehr starker innerer Zusammenhalt des Orchesters herausgebildet hatte. Mit diesem tiefen Gefühl der Zusammengehörigkeit gelang es damals beherzten Mitgliedern, das Orchester zu erhalten und am 26. Juni 1991 als Sächsische Sinfonieorchester Chemnitz (SSO) neu zu gründen. Mit der Festschreibung eines neuen Orchesternamens im Vereinregister wollte man dabei keinesfalls unter die interessante Engwicklungsgeschichte des Orchesters einen Schluss-Strich ziehen. Im Gegenteil, das Orcheste bekennt sich zu seiner Geschichte, zu der auch die Einbindung in das bis 1990 bestehende System gehört. In der Zwischenzeit erkennt man aber auch von Seiten der Kritiker, dass dies jedoch keinesfalls das Erreichte schälert.
Die Leistungen des vielen Laienmusiker sind in höchstem Maße anerkennenswert. Damals wie auch heute lassen sich Sinn und Zweck dieses Orchesters auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Es ist einfach die Zusammenführung musizierfreudiger Menschen, die unter fachgerechter Anleitung und in ungezählten Stunden Freizeit Konzertprogramme erarbeiten und mit ihren Aufführungen anderen Menschen Freude bereiten. Man könnte es auch mit den Worten eines langjährigen Orchestermitgliedes heute so ausdrücken: "Es (das Orchester) war ein Stück Lebensqualität in einem Inselbereich beglückenden Wirkens, im Umfeld unter dem Druck politischer Einseitigkeit und geistiger Begrenztheit vergangener Jahrzehnte". " Schwerstarbeit beim Aufbau des neugegründeten Vereins hatte nun der neue und zugleich erste Vorstand unter der Leitung von Dr. Daisy Weber zu leisten.
Alles war neu und komplizierter geworden. Nun ging es nicht mehr nur um die Musik allein, nein, auch die gesamte Organisation, die Finanzen, die Werbung, die Pressearbeit und auch die Gewinnung neuer Mitglieder lagen jetzt in den Händen des Vereins. Für das Orchester eine schwierige Phase erneuter Aufbauarbeit. In diese Zeit der Vereinsgründung fällt auch der Wechsel in der künstlerischen Leitung des Orchesters. An die Stelle von Günter Muck, der nach 25-jähriger erfolgreicher Tätigkeit für das Orchester in den Ruhestand trat, wurde mit Jens Hofereiter, damals hauptberuflich als Solorepetitor am Opernhaus Chemnitz tätig, ein Leiter mit viel jugendlichem Elan und Sachverstand verpflichtet. Nach intensiver Probenarbeit war das Orchester bereits im September mit einem anspruchsvollen Programm in der Chemnitzer Konzertreihe der Schloßteichkonzerte zu hören.
Seitdem ist das Orchester um eine regelmäßige Konzerttätigkeit sowohl in kommunalen Konzertreihen, aber auch mit eigenen sinfonischen Konzerten bemüht. Bei seiner Teilnahme an der Bundestagung des Bund deutscher Liebhaberorchester (BDLO) 1992 in Heusenstamm konnte das Orchester erstmals bundesweite, aber auch internationale Kontakte knüpfen und sich musikalisch vorstellen.
In der Konzertreihe der Seligenstädter Klosterkonzerte trat das Orchester dabei mit einem eigenen Konzertprogramm auf und erhielt viel Beifall. Höhepunkte in der Arbeit unter Jens Hofereiter waren die Aufführungen der Cäcilienmesse von Ch. Gounod zum Kulturfestival 'Mittelsächsischer Kultursommer' gemeinsam mit der Singakademie Chemnitz e.V. sowie der C-Dur Messe von L. van Beethoven mit den Chemnitzer Kantoreien von St. Joseph und St. Nepomuk 1994 und 1995.
Erstmals seit vielen Jahren trat das Orchester wieder mit einem begeistert aufgenommenen volkstümlichen Programm in Chemnitz und Wechselburg auf. Für das Programm mit dem erfrischenden Titel "Im Feuerstrom der Reben" konnten Nancy Gibson und Dietrich Greve vom Opernhaus Chemnitz verpflichtet werden.
Bezeichnend für diese Zeit der Entwicklung des Orchesters war die Vielzahl der Konzerte, die in einem Jahr zu bewältigen waren. Geschuldet war diese Situation der permanent angespannten Finanzlage des Vereins und diente der Erhaltung des mittlerweile umfangreichen Vereinsbetriebes. Nicht umsonst lag deshalb das Schwergewicht bei der Arbeit unter Jens Hofereiter auf der Einstudierung neuer Werke. Dies diente der raschen Erweiterung des ohnehin schon beträchtlichen Orchesterrepertoires, stellte aber gleichzeitig außerordentlich hohe Anforderungen an die Musiker und zeigte mehr als deutlich die Grenzbereiche des Laienmusizierens auf. Die Ouvertüre "Die Hebriden" von Mendelssohn-Bartholdy, das Adagio für Streicher op.11 von Samuel Barber und auch die Sinfonie d-Moll des Spaniers Arriaga waren solche aufwendigen Neueinstudierungen in dieser Zeit.
Nach einer Reihe von Konzerten im Chemnitzer Veranstaltungszentrum "Forum" ist das Orchester seit 1995 nun wieder regelmäßig mit zwei Konzerten pro Jahr in der Stadthalle Chemnitz zu hören. Mit Konzerten zur Weihnachtszeit erfuhr auch die Arbeit mit dem Kammerorchester wieder einen Aufschwung.
Eine neue Erfahrung gewann das Orchester durch seine Beziehungen zum Instrumentalverein-Wuppertal e.V. Seit 1994 gibt es regelmäßige Kontakte zwischen beiden Vereinen und gemeinsame Konzerte in den Heimatstädten Wuppertal und Chemnitz. Auf der Tagesordnung stehen bei den Vereinstreffen neben den interessanten Fragen der Orchesterarbeit, auch die Schattenseiten des Laienmusizierens, welche mittlerweile die beiden Musikvereine gleichermaßen betreffen. Dazu zählen vor allem die angespannten Finanzsituationen, die es immer wieder zu meistern gilt. Aber auch die unterschiedlichen Herangehensweisen bei der Auswahl der Werke und bei der Probenarbeit sind interessante Fragen, die diskutiert werden.
Der Instumental-Verein Wuppertal e.V. mit seiner über 170-jährigen Geschichte eines der ältesten deutschen Liebhaberorchester und das Sächsische Sinfonieorchester Chemnitz (SSO) mit seiner wechselvollen Geschichte, geprägt auch durch die Erfahrungen in unterschiedlichen Gesellschaftssystemen, sind zwei deutsche Liebhaberorchester, die sich in ihrer Arbeit vor allem den hohen Anforderungen der sinfonischen Literatur stellen und die Ergebnisse alljährlich bei Konzerten in ihren Heimatstädten und Regionen unter Beweis stellen. Es ist deshalb ein großes Glück festzustellen und zweifellos dem beharrlichen Wirken beider Orchester und seiner Vorstände zu verdanken, dass es gelungen ist, in einer Zeit des Suchens nach Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West, diese über das Laienmusizieren zu finden. Das Jahr 1996 brachte wiederum einen großen Höhepunkt in der Orchestergeschichte. Das 35-jährige Orchesterjubiläum stand vor der Tür. Mit einem anspruchsvollen Programm mit Werken von Schubert, Chopin, Grieg und Bizet hatte sich das Orchester unter der Stabführung von Jens Hofereiter darauf vorbereitet. Das gelungene Konzert erhielt viel Beifall und sollte der Auftakt in eine neue Entwicklungsetappe in der Orchestergeschichte sein. Nach fünf Jahren schwieriger, aber auch erfolgreicher Aufbauarbeit, die vor allem vom Suchen nach dem richtigen Weg sowohl bei der musikalischen als auch bei der gesamten Vereinstätigkeit gekennzeichnet war, vollzog sich abermals ein Wechsel in der künstlerischen Leitung. Nach Jens Hofereiter übernahm Wolfgang Behrend den Dirigentenstab. Hauptberuflich von 1992-1998 als Solorepetitor mit Dirigierverpflichtung am Opernhaus Chemnitz tätig, arbeitet das Orchester unter seiner Leitung mit neuen künstlerischen Ansprüchen. Dies trifft sowohl auf die Arbeit mit der sinfonischen Besetzung als auch auf die Kammermusikbesetzung zu. Das Ergebnis einjähriger intensiver Probenarbeit war am 10. Mai 1997 in der Stadthalle Chemnitz zu hören. Dem Orchester wurde von der Kritik eine "Gutes verheißende Ehe" mit seinem künstlerischen Leiter bescheinigt. Verheißungsvoll war auch der Start des Kammerorchesters unter neuer Leitung. Zur Aufführung gelangten im Juni 1997 in der Orangerie des Fürsten Pückler in Bad Muskau Werke von Bach, Vivaldi und Mozart.
Im gleichen Jahr gewann das Orchester eine bundesweite Ausschreibung des Bund deutscher Liebhaberorchester (BDLO) für eine zehntägige Konzertreise nach Japan im August/September 1999. Die zukünftigen japanischen Gastgeber waren dazu eigens nach Deutschland gereist, um sich ausgewählte Orchester anzuhören. Schließlich fiel am 7. Dezember 1997 die Wahl auf die Chemnitzer Musiker. Es war eine der größten Herausforderungen in der Orchestergeschichte. Das schwierige Programm, welches von den Gastgebern zusammengestellt wurde, hatte für das Sächsische Sinfonieorchester Chemnitz (SSO) eine neue künstlerische Dimension.
Bereits 1998 begannen, trotz eines mit zehn Konzerten ausgelasteten Terminkalenders, die Proben für die Konzertreise. Mit der 1. Sinfonie c-Moll op.68 von Johannes Brahms, japanische Folklore mit großem Chor, der Hallenarie aus der Oper "Tannhäuser" von Richard Wagner und der Ouvertüre zu Goethes Trauerspiel "Egmont" von Ludwig v. Beethoven war das Programm im wahrsten Sinne mit Schwierigkeiten gespickt. Um das immense Probenpensum zu schaffen, war ein ausgeklügelter Probenplan mit vielen Registerproben und Gesamtproben notwendig. Engagierte Unterstützung erhielt das Orchester dabei durch die Musiker der Chemnitzer Robert- Schumann- Philharmonie Chemnitz. Vor dem großen Ereignis folgte aber noch eine Reihe interessanter Konzerte in Chemnitz und der Region. Mit einem Benefizkonzert in der Chemnitzer Markuskirche unterstützte das Orchester den Aufbau dieses wunderschönen Kirchenbaus, der nun nach seiner Fertigstellung im Jahr 2000 zu einer der schönsten Spielstätten des Orchesters in Chemnitz geworden ist.
Zu den japanischen Kulturtagen im Wasserschloß Klaffenbach konzertierte das Kammerorchester mit Werken von Vivaldi, Mozart und Bach. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich in immer stärkerem Maße die alljährlichen Sinfoniekonzerte des Orchesters in der Stadthalle Chemnitz, zu denen im November 1998 auch das nunmehr dritte Gemeinschaftskonzert mit dem Instrumental-Verein Wuppertal e.V. gehörte. Mit der Solistin Gabriele Kupfernagel bei Beethovens Klavierkonzert Nr.1 hatte das Orchester dabei eine exzellente Solistin. Wie die Kritiken der Konzerte aus dieser Zeit belegen, erfüllt das Orchester dank der künstlerischen Arbeit von Wolfgang Behrend mittlerweile "fast professionelle Ansprüche". Bester Lohn dafür sind die ständig steigenden Besucherzahlen. Der seit dieser Zeit einsetzende rege Zulauf an neuen Mitgliedern, zu denen viele junge Musiker gehören, hat zu einer neuen, frischen und streitbaren Atmosphäre im Orchester geführt, die sich auch in musikalischer Hinsicht sehr positiv auswirkt. Nach unzähligen Proben und einer mehrtägigen Einspielphase startete das Orchester mit 40 Musikern samt Instrumenten am 26. August 1999 zur großen Gastspielreise in das 9000 km entfernte Hachioji, einer Textilstadt am Rande von Tokio.
Voller Erwartungen, aber auch mit dem Willen, etwas aus der sächsischen Heimat in das ferne Japan zu tragen, machte sich das Orchester auf die weite Reise. Dass die Gastspielreise überhaupt zustande kommen konnte und zu einem solchen Erfolg wurde, ist vor allem dem großen Enthusiasmus aller an dem gesamten Projekt Beteiligten zu verdanken. Besondere Dankbarkeit empfindet das Orchester gegenüber den japanischen Musikfreunden mit ihrem Organisationskomitee, welches aus hochrangigen Vertretern aus der Wirtschaft bestand, und den Hauptteil der Finanzierung übernahm.
Die Reise in den Fernen Osten hat mit ihren landschaftlichen Impressionen, den vielen Begegnungen mit einer völlig anderen Kultur und der gemeinsam empfundenen Musik einen tiefen Eindruck bei den Chemnitzer Musikern hinterlassen und zum besseren gegenseitigen Verständnis beigetragen. Bester Lohn für die harte Probenarbeit war das von 2000 Zuschauern begeistert aufgenommene Konzert in der City-Hall von Hachioji. Bereits kurz nach seiner Rückkehr aus Japan begannen für das Orchester wiederum anstrengende Wochen.
Die Stadthalle Chemnitz feierte ihr 25-jähriges Jubiläum und der MDR wollte das Sächsische Sinfonieorchester ins Programm haben. Das waren neue Erfahrungen für die Musiker. Intensiven Proben folgten Aufnahmen im Tonstudio. Interessant und aufregend auch die Arbeit vor den Kameras. Im November schließlich wurde das Orchester bei der Veranstaltung "Asse 99" mit einem Preis für sein künstlerisches Schaffen geehrt.
Ein Novum in der Geschichte des Vereins und zugleich Höhepunkt des Jahres war der erste Orchesterball des Orchesters, der im ausverkauften Renaissance Chemnitz Hotel großen Anklang fand. Dank großzügiger Unterstützung durch die Geschäftsleitung des Hotels und der perfekten Organisation konnte dem Publikum ein unterhaltsames Programm in ansprechender Atmosphäre geboten werden. Im neu beginnenden Jahr beschritt das Orchester auch neue Wege bei der Programmgestaltung. Für sein Sinfoniekonzert im Juni des Jahres wählte es ausschließlich Werke nordischer Komponisten aus. Das Konzert mit Werken von Sibelius und Grieg wurde vom Publikum begeistert aufgenommen und erhielt eine sehr gute Kritik (siehe Konzert-Mitschnitte auf CD). Größere Bedeutung bekommt in zunehmenden Maße die Arbeit mit dem Nachwuchs. Durch kontinuierliche Werbung konnten in den vergangenen Monaten etwa zwanzig neue Mitglieder gewonnen werden.
Mit dem "Tag der offenen Tür" widmete sich das Orchester vor allem den jüngsten Musikern. An diesem Tag durfte sich jeder einmal ausprobieren und in einem richtigen Orchester mitspielen. Im zweiten Sinfoniekonzert des Jahres hatte man sich für ein großes Wagnis entschieden. Auf dem Programm stand im zweiten Teil die bereits in Japan aufgeführte Sinfonie Nr. 1 c-Moll op.68 von J. Brahms. Für das Publikum und das Orchester war die Aufführung diese Meisterwerkes der Romantik ein großes Erlebnis. Mit Schwierigkeiten gespickt war auch der Auftritt des neu formierten Kammerorchesters. In der filigranen h-Moll Suite von J. S. Bach zeigte Alexandra Haubner, Soloflötistin des Orchesters, ihr brillantes Können. Besonders glücklich war das Orchester über die Einladung, bei der Festwoche anlässlich der nach langer Rekonstruktion wiedereröffneten Markuskirche Chemnitz ein Konzert geben zu können. Hatte es doch bereits mehrmals Benefizkonzerte für den Wiederaufbau in der in Rekonstruktion befindlichen Kirche gespielt. Krönender Abschluss des Jahres 2000 war der sehr gut besuchte zweite Orchesterball im Renaissance Chemnitz Hotel.
Das Festkonzert zum 40-jährigen Orchesterjubiläum am 16. Juni 2001 sowie die Festwoche prägen die Proben- und Vereinsarbeit in den folgenden Monaten. Das Jubiläum wird mit den japanischen Musikern aus Hachioji/Tokio gefeiert. „Was für ein Konzert!.... Wunderbarer Schlusspunkt: Ausschnitte aus Puccinis Oper „Suor Angelica“ mit Svetlana Katchour und den Chorsängerinnen aus Hachioji/Tokio.“ so die Musikkritik der Presse. Im Herbst gestaltet das SSO die Abendgala der „Sachsenasse 2001“ bevor im Sinfoniekonzert am 24. November 2001 die „Meisterwerke russischer Komponisten“ auf dem Spielplan stehen. Das Orchester unter der Leitung von Wolfgang Behrend sowie die Solisten Rico Scholz (Kontrabass) und Ingo Roscher (Horn) erhält ermutigenden Beifall. Das Orchesterjahr endete mit der Aufführung des Te Deum von Zelenka in der Markuskirche Chemnitz und dem dritten Orchesterball im Renaissance Chemnitz Hotel.
Im März 2002 reist das SSO nach Wuppertal, um ein gemeinsames Konzert mit dem Instrumental-Verein Wuppertal e.V. vorzubereiten und aufzuführen. Gemeinsam mit dem Jugendsinfonieorchester der Musikschule Chemnitz findet kurz darauf ein gemeinsames Orchesterschulungslager statt. Geprobt wurde für ein Konzert anlässlich des Deutschen Musikschultages am 15. Juni 2002. Auftritte in der Markuskirche Chemnitz und zum Thumer Orchestertreff werden noch absolviert, bevor das Gemeinschaftskonzert mit der Musikschule endlich aufgeführt werden kann. Fast im Anschluss daran die Italienreise, die das Orchester nach Parma, Mailand und Verona führt. Auf Italienisch klingen die Konzertankündigungen noch eindrucksvoller! Das italienische Publikum ist begeistert. „Die Freude am Spiel und an der ausgereiften musikalischen Interpretation unter dem Dirigat des künstlerischen Leiters Wolfgang Behrend war allen Musikern anzusehen. Für die Chemnitzer wird diese Tournee zu den Kulturschätzen Nord- und Mittelitaliens als Höhepunkt in die Orchestergeschichte eingehen“. (Freie Presse, 6.7.2002) Konzerte in Wechselburg, Flöha, in der Markuskirche Chemnitz lassen die Instrumente nicht zur Ruhe kommen. Für das Sinfoniekonzert zum Gedenken an die Pogromnacht 1938 mit Musik jüdischer Komponisten übernimmt GMD Georg Christoph Sandmann die künstlerische Leitung.
Mit MD Andreas Grohmann als neuen künstlerischen Leiter des Sächsischen Sinfonieorchesters Chemnitz e.V. spielt das Orchester erstmals beim Deutschen Mozartfest in Chemnitz. Henneberg, Schumann und Tschaikowski stehen auf dem Programm. Im Sommer folgen ein Konzert im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Frankenberger Sommer“ und schließlich ein neuer Tag der offenen Tür des SSO im Orchesterprobenraum der Stadthalle Chemnitz. Etwa 150 kleine und große Gäste kommen. Die Begeisterung, sich mit Musik zu beschäftigen, vorzuspielen oder mit dem Instrumenten mitten im Orchester Platz zu nehmen, ist ansteckend. Im Oktober folgt der zweite Flug in den fernen Osten: nach vier Jahren wieder ein Gastspiel in Hachioji/ Japan, von dem neben dem gemeinsamen Konzert die herzliche Gastfreundschaft der Organisatoren und Musiker in wunderbarer Erinnerung bleiben. Am Ende des Jahres die Gestaltung der Auszeichnungsveranstaltung „Sachsen Asse 2003“ und schließlich das gelungene Sinfoniekonzert „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ in der Stadthalle Chemnitz.
Mit Wagner und Beethoven sowie dem Konzert für Kontrabass in h-moll von Bottesini wird im April 2004 erneut ein interessantes Sinfoniekonzert zu Gehör gebracht. Ein Konzert in Frankenberg sowie die zweite Konzertreise des Orchesters nach Italien lassen die Zuhörer beliebte Melodien aus Operette und Musical genießen. Der Radetzky-Marsch als eine der Zugaben, lässt keinen Italiener mehr ruhig auf dem Stuhl sitzen. Faszination anderer Art mit viel Beifall entsteht beim schon traditionellen Tag der offenen Tür in der Stadthalle Chemnitz. Die Festveranstaltung zu „30 Jahre Stadthalle“ unterstreicht die Verbundenheit mit dem wöchentlichen Probenareal. Nach dem Erfolg des Sinfoniekonzerts mit Werken von Grieg und Mozart, bei dem das Orchester von den Solisten Heidrun Sandmann und Hardy Wenzel fasziniert ist, entsteht die Idee, in Zukunft im Großen Saal aufzutreten.
Im Mai ist es dann soweit: im Großen Saal der Stadthalle konzertiert das Orchester gemeinsam mit den japanischen Freunden aus Hachioji. Ein kleines deutsch-japanisches Chorkonzert wird geboten, als Auftakt zu Rheinbergers Orgelkonzert, gespielt von Matthias Eisenberg, und zur Cäcilienmesse mit Svetlana Katchour, Erik Stokloßa und Egbert Junghanns als Solisten sowie dem Universitätschor der TU Chemnitz und der Singakademie. Der Saal ist ausverkauft. Für die japanischen Freunde und das SSO einer der Höhepunkte in sieben ereignisreichen Tagen, die die freundschaftlichen Beziehungen vertiefen. Auch mit dem Tag der Offenen Tür des Orchesters wird ein Raumwechsel ins Foyer der Stadthalle vollzogen. Wieder nutzen viele Kinder und junge Musiker das Angebot ein Orchester „anzufassen“ oder gar mit zu musizieren. Dieses Anliegen der Nachwuchsförderung steht auch im Hintergrund bei der Gestaltung des Sinfoniekonzertes im November, in dem Musikschülerinnen als Solisten des Doppelklarinettenkonzerts von Stamitz auftreten.
Sechs große Auftritte für das Jahr 2006 stehen für das SSO schon zu Jahresbeginn fest, kleinere werden noch hinzukommen. Ein anspruchsvolles, gefülltes Jahr durch den Wechsel der geforderten Programme, angefangen beim Neujahrskonzert in Seehausen, gefolgt vom eigenen Sinfoniekonzert mit Werken von Mozart und Sibelius, schließlich die Gestaltung des Tags der Musik gemeinsam mit der Singakademie Chemnitz, die Teilnahme am Eröffnungskonzert des 7. Europäischen Orchestertreffens und die Teilnahme am Sängerfest Chemnitz. Kein Wunder, dass dann im Weihnachtskonzert die Instrumente umso fröhlicher zum 45-jährigen Bestehen des Orchesters musizieren. So unterschiedliche Auftritte wie im Jahr 2006 fordern zwar enorm die Kräfte, bringen aber auch viel Spaß und Abwechslung. Denn wann kann man schon mit dem Pfeifvirtuosen Prof. Tamás Hacki musizieren? Ein weiteres Erlebnis besonderer Art war (vermutlich auch für das Publikum) die „Vorlesung“ von GMD G. C. Sandmann über das Funktionieren eines Orchesters, bei der wir gern das ungehorsame und schließlich folgsame Orchester mimten. Im Juli sorgt die Konzerttournee nach Südfrankreich neben Musik, Hitze und Besichtigungen dafür, dass der Zusammenhalt und das Miteinander im Orchester gestärkt werden. 2006 ist auch das Jahr, indem Dr. Daisy Weber als Vorstandsvorsitzende zum Tag des Ehrenamtes für ihr Engagement auf kulturellem Gebiet ausgezeichnet wird.
Das Jahr 2007 beginnt mit einem motivierenden und fröhlichen Konzertieren Mathias Schmutzlers (Staatskapelle Dresden) mit dem Sächsischen Sinfonieorchester Chemnitz e.V. Neben dem Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur von Neruda erklingen Werke von Beethoven und Franck. Beim Kindermusiktag in der Sankt Markuskirche können Klein und Groß dann mit oder ohne Taktmaß „auf die Pauke haun“ oder aber bei der Vogelhochzeit mitmusizieren, Instrumente bauen, singen. Spaß im kleinen Kreis bietet – alle Jahre wieder – der Sommerabschluss des Orchesters. Was wäre das Vereinsleben ohne gemeinsame Unternehmungen außerhalb des öffentlichen Programms! Und auch anderen verhelfen wir zu frohen Sommertagen: eine Urkunde dokumentiert das Aufspielen des SSO zum Seelitzer Pferdesommer, eine Woche später bereits ein weiteres Konzert mit Unterhaltungsmusik auf dem Markt in Frankenberg. Das Herbstkonzert entführt das Publikum der Stadthalle schließlich in die Welt der Oper (Solisten: Frau Svetlana Katchour, Herr Wladimir Solodovnikov). „Musikdirektor Grohmann führte das Sächsische Sinfonieorchester sicher durch die Tücken der Opernliteratur, damit konnte das SSO seinen Status als hervorragender Klangkörper unter den Liebhaberorchestern mehr als behaupten.“ (Freie Presse, 20.11.2007) Mit einem vorweihnachtlichen Benefizkonzert in Kammerbesetzung, organisiert von der Goethe-Gesellschaft Chemnitz e.V. wird das offizielle Konzertprogramm des Jahres abgeschlossen.
Das Sinfoniekonzert im April 2008 erfüllt den Traum so manchen Orchestermitglieds: die Sinfonie Nr. 9 e-Moll „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvorák steht auf dem Programm, dazu noch zwei Werke von Mozart. Doch selbst ein herunterfallendes Triangel konnte uns das Erlebnis nicht vermiesen. Die dankbar fröhlichen Gesichter am Ende der Sinfonie sprachen Bände und das Orchester war überglücklich, dass MD Andreas Grohmann es gewagt hatte, das Werk mit beinah endloser Geduld einzustudieren. Die Mühe zahlte sich auch für die Konzerttournee nach Japan im August aus: unter dem Dirigat des japanischen Kollegen und gemeinsam mit den japanischen Freunden aus Hachioji ein neues schönes Konzerterlebnis mit Dvoráks Sinfonie Nr. 9 e-Moll. Die Konzertreise nach Japan bringt ein Wiedersehen mit altbekannten und neuen Musikern, Organisatoren und Choristen. Bei interessanten Besichtigungen ist weit mehr als nur ein Hauch dieser oft fremden Welt zu spüren. Überall herzliche und liebevolle Begleiter, Dolmetscher und – Musikbegeisterte! Die Heimreise fällt schwer. Doch es warten schon junge Musikerinnen und Musiker auf das Podiumskonzert, das zur Nachwuchsförderung beitragen will. Fünfzehn junge Orchestermusiker und sieben Solisten bekommen in Proben und schließlich im Konzert eine Plattform und können mit einem Sinfonieorchester musizieren. Proben und Auftritt spiegeln den Werkstattcharakter wieder, Lampenfieber und Gemeinschaftsgefühl sind neben den erfolgreich vorgetragenen Stücken sicher wichtige Erfahrungen des Konzertnachmittags in der Stadthalle Chemnitz. Der letzte öffentliche Höhepunkt des Jahres ist das Adventskonzert des SSO, unterstützt durch Chöre des Dr.-Wilhelm-André-Gymnasiums sowie dem Kammerchor Chemnitz e.V. in der Stadthalle Chemnitz. Eine gemütliche und fröhliche Weihnachtsfeier beschließt auch in diesem Jahr wieder das Vereinsleben.